Produktion und Verwertung artenreicher Vegetationen entlang der A7 und anderer Verkehrswege

Der Anbau der verbreiteten Energiepflanzen (z.B. Mais, Raps und Getreide) und deren nachfolgende Verarbeitung können signifikante Treibhausgasemissionen und weitere negative Umweltauswirkungen (Bodenerosion, Nährstoffaustrag und verminderte Bodenfruchtbarkeit) nach sich ziehen. Darüber hinaus konkurriert deren Anbau mit der Nahrungsmittelproduktion. Im Gegensatz dazu basiert der PROGRASS-Ansatz auf der Produktion qualitativ akzeptabler Festbrennstoffe aus der Biomasse von extensiv genutztem Grünland. Diese Vegetationen sind als außer-ordentlich wertvoll und schützenswert für den Erhalt der Biodiversität in der europäischen Flora-Fauna-Habitatrichtlinie anerkannt worden. Flächen entlang der Bundesfernstraßen werden häufig durch Rasendecken befestigt, die mehrmals im Jahr gemäht oder gemulcht werden. Diese Flächen lassen sich durch gezielte Ansaaten, ein angepasstes Management und eine energetische Verwertung mit dem an der Universität Kassel entwickelten IFBB-Verfahren (Integrierte Festbrennstoff- und Biogasproduktion aus Biomasse) in ökologisch und ästhetisch wertvolle Biotope wandeln. Das IFBB-Verfahren wurde in einer mobilen Demonstrationsanlage installiert und hat sich in einem 2jährigen Betrieb innerhalb des von der EU geförderten PROGRASS-Projekt (siehe Link) bewährt. Die ersten Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen mit dem PROGRASS-Prototypen zei-gen, dass eine Wassermaischung und anschließende mechanische Entwässerung zu einer deutlichen Verbesserung der Brennstoffeigenschaften führt. Durch das Abpressen werden die Gehalte von sämtlichen Inhaltsstoffen, die für die Verbrennung schädlich sind, reduziert. Im Besonderen werden Kalium und Chlor, die für die Ascheerweichung und Korrosion verantwortlich sind, zu großen Teilen ausgewaschen. Die Ascheerweichungstemperatur erhöht sich signifikant und auch der Energiegehalt steigt gegenüber unbehandeltem Grünlandheu deutlich an. Schwefel- und Stickstoffgehalte werden ebenfalls reduziert. In den im zweiten Projektjahr durchgeführten Verbrennungsversuchen konnten keine schädlichen Stickoxide nachgewiesen werden. Alles in allem bietet das PROGRASS-Verfahren eine ideale Lösung für die Flächennutzung entlang der A7 sowie anderer Straßen und Verkehrswege. Dieses Verfahren kombiniert die Erzeugung von regenerativer Energie mit dem Schutz der Artenvielfalt und verhilft dadurch der Bioenergieerzeugung zu einem wichtigen Imagegewinn.

Prof. Dr. Michael Wachendorf 
Universität Kassel - Fachbereich Ökologische Landwirtschaft 
Fachgebiet Grünlandwissenschaft und Nachwachsende Rohstoffe 
Steinstraße 19 
37213 Witzenhausen 
E-Mail: mwach [at] uni-kassel.de 
Web: www.prograss.eu 

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